3. November 2008
Himmelsleiter
29. Oktober 2008
Spaziergang im Spreewald, schottische Version
Pilze gibt es reichlich dieses Jahr. Ich bücke mich außerdem nach den Scherben einer geblümten Vase, einem zerbrochenen Lampenschirm aus Glas, einem emaillierten Milchkannendeckel, einem Tennisnetz, einer Tomate, einem Knochen, einer versprengten Kastanie, einem Styroporbecher, etlichen Flaschen und dem verrosteten Rahmen eines, wie ich vermute, ehemals nützlichen Gegenstandes. Seine Beschreibung will ich mir ersparen, unnütz wären die Worte. Nur soviel: Er paßt zum Deckel.
Aus der Tiefe des Waldes dringt Musik; es sind ferne, einsame, stolze Dudelsackklänge.
Da brauche ich mich wenigstens nicht zu bücken!
17. Oktober 2008
Dreaming Oak
14. Oktober 2008
Old Man Pine
29. September 2008
Der gelbe Umschlag
Mit Unschuldsmiene hocken die Zeitungsbündel auf dem Rücksitz. Noch haben sie nicht damit geprotzt, wie schwer sie sein können, vor allem dann, wenn man sie während der Fahrt nach vorne hievt. Es riecht nach frischer Druckfarbe. “Stuczynski”, rufen sie. “Stuczynski Wins Silver in Olympic Pole Vault!”
Der gelbe Umschlag ist jetzt wichtiger. Den händigt der Truckfahrer zum Schluß aus. In ihm stecken alle wichtigen Informationen zur heutigen Route.
Oh wundervolle, wundervolle Route, singt Jack, während er den Umschlag öffnet.
Ein Kunde spendiert 1 Dollar Trinkgeld.
Die Andersons sind umgezogen.
Die Taylors wechseln von 7x zu 2x, sie bekommen die Zeitung jetzt nur noch am Samstag und am Sonntag - und ungefragt an denjenigen Tagen, welche der C&D als Feiertag festlegt. Das kostet extra Gebühren; im Vertrag wird der Kunde nicht darauf hingewiesen, daß er die Zustellung von Sonderausgaben ablehnen kann.
Die Smiths - von Beruf Snowbirds - sind zurück und wollen 5x - also nur wochentags.
Der gelbe Umschlag weiß nicht alles.
Hat zum Beispiel die alte Lady in der Aalstraße endlich ihre Box geleert?
Wo sind heute nacht die Hirsche? Versammeln sie sich auf ihrer Lieblingsweide, bleiben sie unsichtbar, naschen sie wieder aus den Blumenkästen vor den Fenstern des Hauses Nr. 1788, lugen sie aus dem Straßengraben hervor, sprinten sie im allerletzten Moment quer über die Straße, oder hechten sie zurück in den sicheren Wald? Bleiben die Zeitungstürme dann auf dem Rücksitz stehen, oder fallen sie in sich zusammen wie ein Kartenspiel, das neu gemischt wird?
Sind die Cops unterwegs heute nacht?
Hört man die Zikaden singen?
Sind die Ahornbäume auf dem kleinen Friedhof bei French Hill schon für die Saftgewinnung angezapft?
Ist das verlassene Haus an der Porter Road versteigert worden?
Werden die Radlager durchhalten?
Wird es regnen, stürmen, schneien?
Hat der Bewohner des ‘Hauses der sieben Lichter’ endlich die achte Glühbirne erneuert?
Der gelbe Umschlag fliegt in den Fußraum. Wir werden sehen!
15. August 2008
My Diary of Sight & Sound
13. August 2008
Am Teich
“Ja mei, so a Idylle”, vermerkt eine des Weges kommende Radlerin zu ihrem Begleiter.
Ich vermute, meine Anwesenheit mit Skizzenblock hat sie zu solcher Schwelgerei verleitet; Sonnenuntergänge an im freien Gelände liegenden bayerischen Froschteichen gibt es schließlich jeden Tag.
Den Gedankengang zur Idylle eliminiere ich auf der Stelle. Auch wenn es nicht so aussieht, aber ich habe hier alle Hände voll zu tun. Schnellschnell!
Denn pünktlich wie die Sonne selbst sinken auch die Schatten, zum Glück mit einer Geschwindigkeit von nur etwa 1666 Stundenkilometern. Routiniert legen sie sich über das Wiesenstück; ihre dunklen Zungen lecken alles auf, was eben noch im Licht flimmerte und gleißte. Die Seerosenblätter ihrerseits lassen sich nicht lumpen. Launisch dümpeln sie gen Nordosten, wo unverdrossene kleine Winde die Oberfläche des Wassers kämmen, mal mit dem Strich, mal gegen ihn. Oder war das eine Forelle? Kaum schaue ich wieder hin, sieht alles anders aus. Trübe glotzt der Teich zurück. Er blubbert ein bißchen. Ein Frosch antwortet. Ringsherum zirpen die Grillen um die Wette. Die Erde wirbelt in die Nacht hinein, quirlige Planeten mischen den Himmel auf, Quanten hüpfen und springen, nichts ist wie es mal war.
8. August 2008
Spaziergang im Spreewald, 1-2-3-4
Was man hier nicht sieht, sind Bremsen. Sie hausen in den getrockneten Kuhfladen, mit denen die Wiese gepflastert ist. Tritt man auf einen, hat man erstens einen guten Grund, zweitens seine Schritte beim Wettlauf sorgfältiger zu plazieren.
Was man drittens nicht sieht, sind Störche im Gleitflug, die Rücken einer Kuh-Gesellschaft, die Achterbahnkurven der Schwalben, Grashüpfer in feschen grünen Anzügen, den hellen Sand auf einem schnurgeraden Feldweg, die Brennesseln im dunklen Schilf, die Spree und patsch! da war schon wieder eine.
6. August 2008
Schlagsahne
Das Zeichnen von Objekten ist in vieler Hinsicht aussichtsreicher als die mühsame Pflastermalerei, die ich vor ungefähr hundertfünfzig Jahren betrieben habe. Wenn nicht gerade im Auto, so sitze ich doch auf einem einstöckigen Klapphocker; auch das mobile Zeichenstudio, eine Konstruktion aus Pappkarton, die mit Plastikröhrchen und Gafferband hochfrisiert wurde, läßt weder Ausreden gelten noch Wünsche offen.
Zwei gutgelaunte türkische Jungs im besten Mannesalter fragen, ob sie mir mal über die Schulter schauen dürfen. Nachdem sie in Richtung Spreewaldbad weitergeschlendert sind, parkt ein Auto direkt vor meiner Nase ein. Das entgeht auch den Jungs nicht. Ich verweise den Fahrer auf die besonderen Umstände, welche seinen Wagen zu einem nur schwer zu durchdringenden optischen Hindernis machen, mit der Bitte, doch ein paar Meter weiterzufahren, welcher er amüsiert folgt.
“Das haben wir gesehen, dem hätten wir echt eine reingehauen, aber voll!” empören sich die Jungs.
Das ist gut gemeint, aber ich mache es anders. In Zukunft wird anstelle jeden Autos ein weißer Fleck zu sehen sein. Weiße Straßen glänzen dann im Licht des Hochsommers. Vor dem Fußgängerweg über die Wiener Straße staut sich bei Rot eine schneeweiße Masse. Schlagsahne, Puffwölkchen, Schaumkronen, Schnee - alles, nur keine Autos! Und über den Spreewaldplatz streichen Winde, die an nichts anderes stoßen als Bäume, Büsche, Menschen, Tauben, Hunde, Fahrräder, Poller (war da mal was?) und ein pixeliges, dickliches, ganz und gar nicht weißes Gebäude; damit sind wir zurück beim Spreewaldbad.
Das Sahnehäubchen dort drüben war früher mal ein schwarzer Toyota.
5. August 2008
Urbaner Dschungel, kri-kri!
Unter kri-kri sind alle Geräusche zusammengefaßt, die am frühen Abend durch ein Neuköllner Küchenfenster (irgendwo im Universum) dringen. Quellenindex (nicht vollständig) in alphabetischer Reihenfolge; Hauptverursacher sind hervorgehoben.
Akkordeonspieler osteuropäischer Herkunft
Bassist afrikanischer Herkunft
Boeing 737-700 (vermutet)
Boeing 737-800 (vermutet)
Eurocopter
Fahrräder
Geschirr
Mauersegler